Seite 88 - Ein Buch über das Ende und darüber hinaus

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Südwestkirchhof
Stahnsdorf, Brandenburg
""Im Wald lehnt sich Baum an Baum, also warum nicht
Mensch an Mensch?" sagt ein serbisches Sprichwort.
Doch in der brandenburgischen Gemeinde Stahns-
dorf vor den Toren Berlins ist das Redensart Realität
geworden. Mit 206 Hektar ist der 1909 angelegte
Südwestkirchhof Stahnsdorf einer der größten Fried-
höfe Europas und der zweitgrößte in Deutschland. Da
das Gelände während der deutschen Teilung kaum
genutzt wurde, entstand ein ausgeprägter Waldcharak-
ter: Weite Bereiche sind mit der Natur eins geworden,
Grabflächen lassen sich auf den ersten Blick kaum von
der Landschaft zu unterscheiden und bieten so eine
geheimnisvolle wie auch traumhafte Anmutung. Das
Gelände ist mit dieser besonderen Atmosphäre und
zahlreichen prominenten Gräbern ein Anziehungs-
punkt für Besucher aus aller Welt. Auch der Oscar-Ge-
winner Roman Polanski nutzte den Friedhof schon für
Filmaufnahmen.
Unbedingt sehenswert:
Auf dem Südwest-
kirchhof finden immer wieder musikalische Veranstal-
tungen in Form von Wandelkonzerten oder Auffüh-
rungen in der Norwegischen Holzkirche statt. Auf
dem auch als "Prominentenfriedhof " bekannten Areal
befinden sich unter anderem die Gräber des Erfinders
und Industriellen Werner von Siemens, des Verlags-
gründers Gustav Langenscheidt und des bedeutenden
deutschen Regisseurs Friedrich Wilhelm Murnau.
www.suedwestkirchhof.de
Johannisfriedhof,
Nürnberg
"Der Nutzen ist ein Teil der Schönheit." Albrecht Dürer,
eines der bedeutendsten Universalgenies Deutsch-
lands und Sohn der Stadt Nürnberg, war immer auch
Realist und Pragmatiker. Und tatsächlich beschreibt er
mit diesem Satz sehr treffend die Magie des Johannis-
friedhofs. Denn nur ein Friedhof kann mitten im be-
lebten Stadtteil Johannis in Nürnberg diese Ruhe und
Unvergänglichkeit ausstrahlen. So können Besucher in
friedlicher Atmosphäre Geschichte begehen: Das im
10. Jahrhundert angelegte Areal ist einer der bekann-
testen Friedhöfe Europas und wird aufgrund seiner
Rosenvielfalt auch Rosenfriedhof genannt. In diesem
Meer aus Blumen ruhen die liegenden Grabsteine, in
West-Ost-Ausrichtung und - unabhängig von Stand
oder Beruf - mit einem Höchstmaß versehen. Denn "im
Tode sind alle gleich". Über Herkunft und Geschichte
der Verstorbenen erzählen aufwändige gestaltete
Epitaphien.
Unbedingt sehenswert:
Der Johannisfriedhof ist
letzte Ruhestätte Albrecht Dürers. Die Inschrift, die sein
sehr schlichtes Grab schmückt, bedeutet übersetzt:
„Zum Gedenken an Albrecht Dürer; was von Albrecht
Dürer sterblich war, liegt unter diesem Grabhügel. Er
ging von uns am 6. April 1528.“ In der Mitte des Fried-
hofs steht die im 13. Jahrhundert errichtete St.-Johan-
niskirche, die im zweiten Weltkrieg kaum beschädigt
wurde und somit ein echtes Zeitzeugnis der Gotik ist.
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